Summer Vibes
Arielle Kommentare 5 Kommentare
Warum in die Ferne schweifen, wenn das Schöne liegt so nah…. so oder so ähnlich hat’s Goethe formuliert, aber aus dem Mund eines Hylpener (friesisch für Hindeloopen) Urgesteins bei einem Biertje beim Boekanier hörte es sich ähnlich an. Dort versteht man das ewige Fernweh der Segler nicht, als Fernziel aller Träume lässt man allenfalls die Waddeninseln vor der Nordseeküste gelten.
Wenn man durch das entzückende und überaus fotogene Örtchen streift, kann man die Menschen hier irgendwie verstehen.
Nicht immer geht es so beschaulich zu, der Friese ist ja doch auch irgendwie Holländer und die verstehen sich aufs Feiern. Die Skûtsjedagen, an denen eine Segelregatta mit den historischen friesischen Plattbodenschiffen ausgetragen wird, bieten hinreichend Anlass dazu.
Ringrijden (Ringreiten) und Fierljiepen (dafür gibts keine Übersetzung) sind historische friesische Volkssportarten. Ersteres ist immer ein Programmpunkt bei den Skûtsjedagen. Auf aufwendig restaurierten Kutschen und in historische Trachten gewandet, versuchen die Damen im Vorbeifahren mit einer kleinen Lanze Metallringe zu angeln.
Beim Fierljeppen handelt es sich um eine Art von Stabweitsprung über Wasserläufe. Was führer mal eine Notwendigkeit war, um sich über das von Wassergräben und Kanälen durchzogene Friesland fortzubewegen, ist heute ein Sport auf hohem athletischen Niveau und ein Puplikumsspektakel. Das wollten wir uns natürlich nicht entgehen lassen.
Die Marker Wadden
Natur, künstlich erschaffen, ein Widerspruch? Mitnichten, Renaturierung nennt man das. Vor bald 10 Jahren wurde mit der Anlage dieses Inselarchilpels im Marker Meer begonnen, um Lebensraum für seltene Vögel, Fische und Planzen zu schaffen und die Wasserqualität im Marker Meer zu verbessern. Heute ist es ein Paradies für Vogelkundler. Man sieht sie hier in tarnfarbenem olivgrün und mit Fernglas und Teleobjektiven bewaffnet auf den Wegen und Stegen herumstreifen. Und da wir Segler ja immer auch naturverbunden sind, ist es auch für uns ein beliebtes Ziel. Weil es uns hier so gut gefällt, waren wir diesen Sommer schon dreimal hier.
Vor Anker liegend kann man das Naturschauspiel Sonnenuntergang in all seinen Farbfacetten am besten genießen.
Die Waddenzee
Völlig zu Recht, wie wir finden, ist das Wattenmeer seit 2009 als UNSECO-Weltnaturerbe anerkannt. Sobald wir die Schleuse zwischen Ijsselmeer und Waddensee hinter uns gebracht haben, liegt es in seiner ganzen Pracht vor uns.
Terschelling
Das wir ganz große Fans von Terschelling sind, ist jedem der uns kennt hinlänglich bekannt. In diesem Sommer sind wir jetzt schon dreimal hinübergesegelt und haben viel Zeit dort verbracht. Und obwohl wir die Insel schon so oft besucht haben, gab es doch immer noch Neues zu entdecken
So überlaufen, wie das Foto es vermuten läßt, ist es auf Terschelling dann doch nicht. Auch wenn im Sommer der Hafen voll ist und alle Gästebetten auf der Insel belegt, so verläuft sich der Touristenstrom schnell. Dafür sind die Dünen, die Fahrradwege und die endlosen Strände dann doch zu weitläufig. Nur in den Orten Midsland und West-Terschelling ist besonders an den Markttagen viel Rummel.
Mal auf anderen Wegen unterwegs, kam ich an dem Schild BUNKERMUSEUM vorbei. Über die Vergangenheit der Insel, insbesondere über die Kriegsgeschichte, hatte ich mir bisher wenig Gedanken gemacht. Zu friedlich geht das Leben hier zu, als dass es mir in den Sinn gekommen wäre, dass es auch mal andere Zeiten gegeben hat. Die Tigerstellung mit Dutzenden von Bunkern hatte die Deutsche Wehrmacht zur Flakabwehr hier eingerichtet. Auf zwei Inselbewohner kam ein Soldat. Die Insulaner mussten eng zusammenrücken und waren mehr oder weniger interniert gewesen.
Die Zeiten, in denen Menschen in Seenot von Ruderrettungsbooten gezogen von einem Zehngespann Friesenpferde gerettet wurden, läßt die Terschellinger Rettungsgesellschaft mit einem beeindruckenden Spektakel zur Freude der Touristen wieder aufleben.
„Krachen und Heulen und berstende Nacht, Dunkel und Flammen in rasender Jagd – Ein Schrei durch die Brandung!…
Nun springt er ins Boot und mit ihm noch sechs: Hohes, hartes Friesengewächs; Schon sausen die Ruder…“
Dieser Auszug aus Nis Randers macht die Dramatik der Seenotrettung von damals fühlbar. Deutlich mehr als 10 PS stehen den Seenotrettern heute zur Verfügung.
Wie Inseln im allgemeinen, ist auch Terschelling voll von Geschichten. Ein ganzes Museum, das Wrakkenmuseum, zeugt davon und dokumentiert, wieviele Schiffe in den Fluten vor seiner Küste versunken sind. Und dann gibt es da die Doodemannskisten. Dabei handelt es sich um ein wundervolles Gebiet aus See, Heide, Kiefernwald und Dünenlandschaft im Westen der Insel. Die Legende besagt, dass hier tote Schiffbrüchige oder verstorbene Seeleute ihre letzte Ruhestätte fanden. Einer Sage nach soll auch eine Inselprinzessin ihre Hand im Spiel gehabt haben. Märchenhaft schön ist es hier auf jeden Fall.
Ja und dann gibt es da noch dieses Wunder der Natur, das Watt und die von den Gezeiten geprägten Sandbänke. Die Weite der Blickwinkel und die wundersamen Sandformationen, die das Wasser und die Tierwelt hier hinterlassen, sind einzigartig und können mich immer wieder aufs Neue begeistern.












5 Kommentare zu „Summer Vibes“
Wunderbare Bilder und Geschichten…vielen Dank dafür…das Gedicht hat mein Vater sehr gerne rezidiert…“da hängt noch ein Mann im Mast“ habe ich im Ohr.
Liebe Grüße aus Monta und hoffentlich dürfen wir Hindeloopen irgendwann kennenlernen.
„s’ist Uwe“ und schon stand ich wieder vor der Klasse und hab das Gedicht aufgesagt!!
Hallo ihr Zwei, herzlichen Dank, liebe Babsi, dass du wieder so schöne Fotos gemacht hast und auch für den inhaltsreichen Text. Ich werde euch, wie immer, mit dem Finger auf der Landkarte begleiten. Lasst es euch gut ergehen. Sonnige Grüße aus dem Rheinland, Gisela
Liebe Cousine und „Schriftstellerin“
Barbara, so eine Freude von Euch zu hören und lieben Dank…vielleicht sammelst Du mal weiter tolle Fotos und Schriftbeiträge und es gibt irgendwann ein kleines Buch für Touristen über Terschelling.
Mir ist es eine Freude und ich wünsche Euch beiden eine schöne Zeit.
Liebste Grüße Heide
Vielen Dank für diese interessanten Informationen – Chapeau – und dann noch mein LieblingsgedichtvNiscRanders – schließlich habe ich dem meinen Vornamen zu verdanken!
LG
Uwe
Danke Babsi! Wie immer episch!