Cornwall bis Isle of Wight

Cornwall bis Isle of Wight

An diesem Teil von Englands Küste darf man auf keinen Fall hektisch werden. Also geht es hier für uns in gemächlichem Tempo weiter, von Hafen zu Hafen in kleinen Schritten. Wobei Hafenanlagen so wie wir uns das vorstellen, die gibt es hier in den Flussläufen oder Estuaries nicht. Man macht sich mitten im Fluss fest an Mooringbojen, manchmal auch gleich an zweien, also mit dem Bug und dem Heck (damit man mit der Tide nicht herumschwingt) oder an Schwimmstegen ohne Landverbindung, den „Island Pontoons“. Wichtig ist beim An- und Ablegen die Fliessrichtung zu beachten, sonst  kann man schnell mal einen Auffahrunfall verursachen. Die Tide läuft mitunter so stark, dass wir hier Boote rückwärts haben segeln sehen. Aber egal welche Variante man zum Festmachen wählt, in jedem Fall liegt man in einer Postkartenidylle Englischer Flusslandschaften. Und als wär’s nicht schon schön genug, war‘s in  Dartmouth gerade Vollmond. Der leuchtete rund und hell über dem River Dart.

Falmouth

In Falmouth haben wir Platz gefunden an einem der walk-ashore Pontoons. Und die Bolero konnte gleich bei uns längsseits festmachen. Die lebhafte Flanierstraße mit vielen Geschäften und Restaurants war, wie eigentlich allen Orten hier an England Küste, geschmückt mit bunten Wimpelbändern, die munter im Wind flatterten. Ob das nur die Sommerdeko ist, oder eine ganzjährige Beflaggung, das muss ich noch herausfinden. In einem netten kleinen Restaurant mit spanischer Küche verbrachten wir einen letzten gemeinsamen Abend mit der Bolerocrew bei ausgesprochen leckeren Tapas. Die beiden wollten zügig weiter und wir warteten auf Petra und Paul, die in Fowey zu uns an Bord kommen wollten.

Fowey

Bei  der Anfahrt auf Fowey passierte uns dann ein Maleur. Beim Aufrollen des Vorsegels riss die Reffleine aus der Trommel und wir mussten das noch nicht restlos eingerollte Segel mit Bändseln sichern. Beim Sichten des Schadens war klar, dass wir das Vorsegel so nicht mehr würden setzen können. Hier konnten wir dann wiedermal erfahren, wie bemüht man in England ist, uns Freizeitsegler zu unterstützen. Ein Anruf bei All-Spars in Plymouth und die Ersatzteile waren organisiert.

Plymouth

Wir steuerten also Plymouth an, um unser Rollreff reparieren zu lassen. Keine Stunde nachdem wir in der Queen-Mary‘s-Battery angelegt hatten, war ein Techniker mit den Ersatzteilen an Bord. Und in einer weiteren Stunde war der Schaden behoben. Wir staunten nicht schlecht, dass der Preis für die Seldén Ersatzteile erheblich günstiger war, als der auf der deutschen Webseite genannte. Wir waren erleichtert und froh. Da machte es uns auch nichts aus, dass der Tag verhangen und nieselig war und wir beim Bummel durch die Stadt unsere Regenschirme bemühen mussten.

Auch die Schwäne nehmen hier die Schleuse
Der freundliche Mitarbeiter von All-Spars hat ARIELLE wieder flott gemacht

Dartmouth

Das erste was einem bei der Ansteurung von Dartmouth auffällt, sind die beiden recht gut erhaltenen Festungstürme am schmalen Eingang des Flusses Dart. Sie stammen aus der Zeit der Regentschaft von Heinrich dem VIII. Zwischen den Tümen wurde seinerzeit zur Abwehr von Eindringlingen ein Kette quer über die Zufahrt gepannt. In späteren Jahren besuchte ein anderer König mit seiner Tochter Elisabeth das hoch über Dartmouth gelegene Royal Naval College. Ein junder Kadett mit Namen Phillip, der hier studierte, verliebte sich in die Prinzessin. Wie die Geschichte weiterging ist hinlänglich bekannt.

Dartmouth aus der Vogelperspektive

Weymouth

Auf dem Weg nach Weymouth muss man den notorischen Portland Bill runden, dem most hazardous bit of water in the Channel. So formuliert es der Channel Pilot, ein Revierführer mit umfassenden Informationen für den Seefahrer. Er empfiehlt ihn grossräumig zu umfahren, je nach Wetterbedingungen mit einem Abstand von 3 bis 10 sm. In settled weather kann der unerschrockene Seemann auch die Route dicht unter Land nehmen. As long as you time it correctly you can safely use the inner passage, sagt er. Das Wetter war settled und unser timing spot on und so schossen wir zwischen den Portland Races und den Shambles bei 6,2 kn Strom hindurch. Mit untergehender Sonne steuerten wir Weymouth an. Wie der Name schon sagt liegt der Hafen wieder in einem Fluss. Alle Pontoons waren hier bereits belegt, aber zwei freundliche Segler luden uns ein, an ihrem 105 Jahre alten Holzboot längsseits festzumachen. Erst bei Tageslicht konnten wir so richtig sehen, neben welchem Schätzchen wir da lagen. 

So sehen sie aus die Tide Races, selbst bei wenig Wind brodelt das Wasser
Sieht heute so harmlos aus der Portland Bill.

Svanage Bay

Diese Bucht war eigentlich garnicht unser Ziel gewesen, weiter bis Bournemouth wollten wir. Doch irgendwas war diesmal schiefgelaufen bei der Tidenkalkulation. Wir hatten berechnet, dass wir das nächste Kap in 15 sm Entfernung bei mitlaufender Tide in vier Stunden locker erreichen könnten. Der Wind sollte mit frischen 4 Bft aus Ost wehen, also gegenan. Dann sollte die Tide drehen, aber da wären wir schon fast in der Ansteuerung unseres Zieles. Leider schwächelte der Wind zunehmend und wir  machten kreuzend nur wenig Strecke gut. Am Kap von Anvil Point angekommen lief uns der Strom schon mit 3,5 kn entgegen und wir kamen mit nur noch 2 kn Fahrt voran ( das sind in etwa 3,5 km/h, da könnte man locker nebenher schlendern). Irgendwann war Schluss mit lustig und wir liefen die direkt hinter dem Kap gelegene Ankerbucht von Svanage an. 

Auch hier versetzt der Tidenstrom das Wasser mächtig in Aufruhr, gleich dahinter in der Bucht ist der Spuk vorbei.
Sieht nach einem friedlichen Ankerplatz aus
Der Himmel läßt Übles erahnen. In der Nacht wurden wir mächtig durchgeschüttelt, da war an Schlaf kaum zu denken.
Wie zur Belohnung konnten wir am nächsten Morgen im Sonnenschein und bei frischem Wind auf die Needles zusteuern.

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