Kurs Nord
Arielle Kommentare 7 Kommentare
Seit wir die Scilly‘s verlassen haben, bewegen wir uns Richtung Norden. Viele Häfen gibt es nicht auf dem Weg zur Querung des Bristol Channel, genau genommen eigentlich nur Padstow. Auch dieser ist auf unser elektronischen Seekarte grün (also bei Ebbe ohne Wasser im Hafenbecken), so wie viele der Häfen an Englands Küsten. Erst von anderen Seglern erfuhren wir, dass es ein Tor gibt, der das Wasser im inneren Hafenbecken zurückhält. Dieses Tor, das zwei Stunden vor und nach Hochwasser offen steht, schwingt interessanterweise nicht zur Seite, sondern klappt runter und kommt auf dem Boden des Hafenbeckens zum Liegen. Quer über den Eingang des Camel Estuarys, in dem Padstow liegt, lauert aber erstmal eine Sandbank mit dem Respekt einflössendem Namen Doom Bar. Der gesamte Estuary ist an beiden Ufern von Sandbänken gesäumt, die sich weit hinein erstrecken in die Zufahrt auf Padstow. Die letzten zwei Kabellängen vor dem Hafen, fällt diese dann komplett trocken. Aber mit Sandbänken kennen wir uns aus, die haben wir in Holland ja zur Genüge. Da muss man den Gezeitenkalender befragen und kann sich dann ausrechnen, wann die nötige Menge Wasser aufgelaufen ist. Garnicht so einfach bei einer Distanz von 65 sm zum richtigen Zeitpunkt anzukommen.
Padstow
Nach einer halben Stunde am Wartesteg konnten wir in diesen reizenden, typisch englischen „working harbour“ einlaufen. Wir legten rückwärts an dem letzten Platz eines kurzen Steges an, der extra für Yachties mitten im Hafenbecken auslegt war. Hier hatten wir einen herrlichen Blick auf die lebhafte Hafenkade, an deren Kante Urlauber mit baumelnden Beinen sassen, und auf die vielen gut besuchten Lokale gegenüber. Ein kleiner Hund spielte mit Herrchen Bällchen, wobei er von der Quaimauer aus 3 Meter Höhe immer wieder freudig ins Hafenbecken sprang. Auf unserem Boot hatten wir unseren Platz in der ersten Reihe und fühlten uns wieder einmal mehr vom Schicksal gesegnet.
Am nächsten Tag mischten wir uns unter die vielen Feriengäste und erkundeten den Ort und die Umgebung auf einem langen Spaziergang entlang des Camel Estuarys. Wirklich traumhaft ist die Landschaft entlang des Flusses, sowohl für Sommerfrischler als auch für Wassersportler ein Paradies. Zurück am Boot luden uns unsere Stegnachbarn, ein sehr nettes englisches Paar, zu sich an Bord ein auf ein Gläschen Wein. Wir staunten nicht schlecht über das Platzangebot auf so einem 15 m Motorboot. Und wir erfuhren, dass es bei 16kn Fahrt 40 Liter/Stunde an Diesel verbraucht. Unser Tank wäre da schon nach drei Stunden leer… da Segeln wir dann doch lieber.
Am nächsten Morgen stand ein anderer Herr bei uns am Steg und betrachte interessiert unser Boot. Schnell war mir klar das es der Segler sein musste, der mit identischem Boot gegenüber an der Kade lag. Das Boot dieses Schweizer Pärchen, so stellt sich heraus, war eine Dehler 39 SQ aus der gleichen Baureihe wie unsere Arielle. Die beiden lebten schon seit 10 Jahren auf dem Boot, mit dem sie den gesamten Nordatlantik gerundet hatten, von der Karibik über Grönland zurück nach Norwegen und die jetzt in England angekommen waren. Das erfüllte uns mit Respekt vor der Segelleistung und gleichzeitig mit noch mehr Vertrauen zu unserem Boot. Leider hatten wir nur ein Stündchen Zeit zu plaudern, wir hätten gerne noch mehr von den beiden erfahren über ihre Erlebnisse. Aber das Tor sollte um 12:00 Uhr öffnen und wir mussten jetzt weiter, um ein kurzes Wetterfenster zu nutzen, das uns erlauben würde, zügig nordwärts zu kommen.
Bristol Channel
Lange hatten wir vor den Wetterkarten gesessen und überlegt, viel Wind sollte es geben. Ein mit dem Bristol Channel vertrauter Segler hatte uns nochmal eindringlich gewarnt vor den Auswirkung der aus dem Atlantik hereinströmenden Wassermassen, die ungebremst in den immer schmaler werdenden Kanal drängen (bei Cardiff entsteht so ein Springtidenhub von 12 Metern!!). Wenn diese Stömungen dann auf Wind aus der entgegengesetzten Richtung treffen, entstehen hohe konfuse Wellen. Der Wind sollte die nächsten zwei Tage aus Südwest kommen, für uns also halber Wind. Den wollten wir nutzen trotz vorhergesagten 5-6 Bft. Mit zwei Reffs im Großsegel wurden wir von Wind und Welle auf konstant 8 kn beschleunigt, bei einer Wellenhöhe von ca. 2 Metern schepperte es in den Schapps allerdings gewaltig. In etwas mehr als 9 Stunden meisterte Arielle die Strecke von 70 sm und wir liefen um 21:30 auf der anderen Kanalseite in die Dale Ankerbucht vor Milford ein.
Nach einer ruhigen Nacht vor Anker liefen wir am nächsten Morgen gleich wieder aus, um vor dem gemeldeten Starkwind aus Nord in Dublin zu sein. So präzise wie vorhergesagt drehte der Wind am nächsten Morgen auf Nord, da waren wir allerdings schon in der Ansteuerung auf Dublin und bewältigten die letzten Seemeilen unter Motor. Jetzt kann es ruhig stürmen, wir bleiben die nächsten Tage erstmal hier.
7 Gedanken zu „Kurs Nord“
Super! Eure Erlebnisse, ganz toll geschildert!
Gruß und weiterhin viel Spaß!
Bernd & Karin
Na dann viel Spaß in Dublin, das ich bisher noch nicht kenne. Ich liebe Cork und die Iren sowieso. Also genießt das Guiness bei Live Music und macht euch ruhige Tage. Hier in Montalivet regnet es, nach den 41 Grad bei unserer Anreise eine echte Umstellung.
LG Oma Eule
Ihr Lieben, das sind ja wieder mal wunderbare Eindrücke, die wir mit Euch teilen dürfen. Traumhafte Bilder und spannende Erzählungen. Ich brauche kein Buch zum lesen, wenn ich eure Berichte habe. Weiterhin viele tolle Erlebnisse
Andrea und Klaus
Super, erneut tolle Bilder, tolle Erlebnisse, eine verläßliche Arielle – jetzt auch noch von Weltumseglern bestätigt, was will man mehr!
Chapeau vor eurem Mut, euch in die starken Winde und Wellen zu begeben und weiterhin Mast und Schotbruch!!!
Hi Babsi & Alex, ihr hattet auch so tolles Wetter und solche spannende Erlebnisse. Jetzt also stürmisch, aber ihr liegt sicher in Dublin. Toll! Hier regnet es zum ersten Mal wieder so richtig, wir sind froh darüber. Ganz viel Spaß wünsche ich euch weiterhin und genießt den Guinness in den vielen Pubs. Ganz herzliche Grüsse, Linda
Hi Babsi & Alex, ihr hattet auch so tolles Wetter und solche spannende Erlebnisse. Jetzt also stürmisch, aber ihr liegt sicher in Dublin. Toll! Hier regnet es zum ersten Mal wieder so richtig, wir sind froh darüber. Ganz viel Spaß wünsche ich euch weiterhin und genießt den Guinness in den vielen Pubs. Ganz herzliche Grüsse, Linda
„Arielle kommt mit den Wellen gut zurecht“…und euch machen die hohen Wellen nichts aus?
Allein schon nur vom Lesen krummelte es bei mir im Bauch.
Ich bewundere nicht nur eure Segelleistung, sondern auch die sorgfältige Ausarbeitung der Navigation. Was ist da alles zu bedenken, damit man heil von „a“ nach „b“ kommt.
Chapeau
Aber jetzt muss ich euch erst einmal wieder mit dem Finger auf der Karte „nachlaufen“. Wie schön, dass ihr in Dublin Zeit verbringen wollt, dann habe ich auch ein bisschen mehr Zeit.
Schiff ahoi ‼️…und liebevolle Grüße aus der Heimat.