Belfast

Belfast

Die Hauptstadt des zu Großbritannien gehörenden Teils der Irischen Insel wollten wir natürlich auch kennenlernen. Was wir dort erlebten, hatten wir so nicht erwartet. Es war ein Zeitreise durch die Geschichte. 

Ardglass

Auf dem Weg dorthin gibt es den  knuffigen Fischereihafen Ardglass. Der liegt gut geschützt zwischen einer Unzahl von Untiefen, die bei Ebbe trockenfallen. Dann bleibt nur eine kleine Pfütze in der Mitte übrig. Wir machten an einem der dort ausgelegten Stege fest und gönnten wir uns eine kleine Verschnaufpause, um uns von der Asphalttreterei in Dublin zu erholen.

Auf nach Belfast - Segeln bei mediterranen Bedingungen

Bangor

Das Lough Dublin, an dessen Ende die Stadt liegt, erstreckt sich 10 sm ins Landesinnere, eine Strecke, die man schließlich auch wieder herausfahren muss. So entschieden wir uns für Bangor, das eine sehr komfortable Marina hat und quasi am Eingang des Loughs liegt. Von dort aus brachte uns ein Vorortzug in 20 min bequem nach Dublin. Bangor ist ein hübsches Städtchen, die Häuser an der Seafront haben viel viktorianischen Charme und die Promenade entlang der Kaimauer ist topgepflegt. Wir entschieden uns nach dem Essen noch eine eine kleine Runde zu laufen und anschließend auf ein Pint bei einem der vielen Pubs einzukehren. Viel war nicht los im Ort, erstaunlich für einen Freitagabend. Zurück am Boot angekommen, hörten wir mehrere Salutschüsse. Anschließend wurde ein Feuerwerk abgeschossen, eine Rauchsäule stieg über den Häusern auf in den Abendhimmel. Die Party stieg heute also woanders. Der Anlass dafür, so erfuhren wir am nächsten Tag auf der Bahnfahrt in die Stadt von einer Mitreisenden, war die Feier am Vorabend des 12. Juli, bei der traditionell Lagerfeuer aus haushoch gestapelten Holzpaletten angezündet werden und eben Feuerwerke. An dem Jahrestages wird des Sieges bei der Schlacht von Boyne gedacht.  Dort hatte der Niederländer William III von Oranien (der gleiche der in Brixam an Land ging) im Jahr 1690 den amtierenden König James II vernichtend geschlagen und aus Irland vertrieben. Die Protestanten hatten die katholischen Monarchisten damit entgültig niedergerungen.

Belfast

Ausser viel politischer Historie, gibt es auch die tragisch neuzeitliche Seite der Geschichte Belfasts. Auf dem Gelände der Werft Harland & Wolff steht das sehr eindrucksvolle TITANIC Museum. Es informiert umfassend über das Schiff, von der Konstruktion bis zum Stapellauf im Jahr 1912.  In einer Gondel sitzend wird man Stockwerk für Stockwerk heruntergefahren, vorbei an Nachbildungen des Werftbetriebes in den Fertigungshallen. Es dampft und hämmert als wäre man live mit dabei. Sehr anschaulich und wirklich toll gemacht.

Auf der anderen Seite des Flusses Lagan waren wir mittendrin in der Teilungsgeschichte Irlands. Im Zentrum der Stadt war buchstäblich der Bär los. Wenn die Engländer feiern, dann aber richtig. Wer nicht ein Union Jack Kleid, T-Shirt oder Hut trug, hatte mindestens einen Fähnchenreif im Haar. Wahlweise auch orangene Shirts oder Hüte in den Farben der niederländischen Flagge. Menschen standen mit Kind und Kegel am Straßenrand, manche saßen auf mitgebrachten Campingstühlen, um die Parade der Marschkapellen der Orangemen, das sind Mitglieder verschiedener Orange Bruderschaften, abzunehmen. Mit viel Tschingderassabum zogen diese durch die Innenstadt. Für die britischen Unionisten ist es ein Ausdruck ihrer Identität, von den Irischen Nationalisten wird es sicherlich als Provokation empfunden. Entsprechend war auch viel Polizei vor Ort.

Fast alles ist in Belfast politisch. Geht man in West-Belfast die Falls Road rauf, kommt man vorbei an Kriegerdenkmälern und großen Wandbildern der gefallenen Helden der IRA. Auch hier werden Emotionen geschürt und die Erinnerung an den blutigen Konflikt wachgehalten. Die hohen Zäune um das katholische Stadtviertel und das Tor, an dem ein Schild auf die Schließung um 22:30 Uhr hinweist, damit hatten wir nicht gerechnet.

Brothers in Arms

Auch heute, 100 Jahre nach der Unabhängigkeit Irlands, ist Nordirland noch immer tief gespalten und von einem harmonischen Zusammenleben weit entfernt. Der Hafenmeister, mit dem wir über die Feierlichkeiten am 12. Juli sprachen, klärte uns auf: In Nordirlands Städten leben Katholiken und Protestanten ganz selbstverständlich in getrennten Ortsteilen. Lediglich 7% der Schüler besuchen gemischt religiöse Schulen.

6 Gedanken zu „Belfast

  1. Da hatte ich aber viel geschichtliches nachzulesen und begleitend auf der Landkarte zu suchen….

    Danke, dass Ihr für mich immer wieder interessante Türen öffnet. Eure Reise ist auch meine Reise, denn – auch wenn ich schon eine Weltreise mit 55.000 Flugstunden gemacht habe – kenne ich die von euch beschriebenen Gegenden nicht.
    Darum warte ich gespannt und neugierig auf den nächsten bebilderten Bericht. Vielen Dank im Voraus.

    SCHIFF AHOI❣️❣️

  2. Hi Babsi, hätte ich gewusst, dass ihr auch nach Nordirland/Belfast fahrt, hätte ich Euch Sophias Adresse gegeben und sie hätte Euch als Guide herumführen können. — Hatten die Leute wirklich Hüte in den Farben der NIEDERLäNDISCHEN Fahne an? Warum das denn? – Bezüglich katholisch/protestantisch: zur Zeit ist die Hälfte der KInder katholisch, ein Drittel protestantisch. Wenn die erwachsen sind, gibt es ein neues Referendum, das dann erfolgreich sein wird (davon gehen die Politiker in Irland aus) und dann gibt es endlich ein vereintes Irland. Es wäre doch schön, wenn wir das noch erleben würden! Weiter eine gute Reise und ich freue mich auf die nächsten Berichte und tollen Photos. Alles Liebe. Andrea

  3. Jaja, Kriege um die Religion sind und bleiben die schlimmsten…
    Das Titanic Museum in Belfast ist berühmt, ich war in dem Cobh, das damals Queenstown hieß, wo die letzten Passagiere vor dem Unglück voller Vorfreude an Bord gingen.
    Belfast werde ich sicher auch mal besuchen, Von Cork ist ja alles in Irland nicht so weit..und public transportation funktioniert prima.
    LG Oma Eule

  4. Guten Tag Ihr 2,
    In Belfast war ich auch und dort lag damals, und das ist Jahre her, die Spaltung zwischen Iren und Engländer quasi in der Luft. Als wir im Hotel waren, zog auf der Straße eine kleiner Zug Engländer mit Musik vorbei. Und es war kein großer Gedenktag.
    Das Museum der Titanik haben wir auch besucht, ein architektonisch höchst interessanter Bau und am Hafen wunderbar gelegen, ein Erlebnis.
    Ganz lieben Dank für die Berichte, ich lese und schaue alles an mit Vergügen!
    Herzliche Grüße Cousine Heide

  5. Danke, da wundern wir uns wenn es auf dem Balkan oder in Afrika/Asien mit dem religiösen Zusammenleben nicht klappt und haben vergleichbare Probleme in dem – anscheinend doch nicht so aufgeklärten Abendland!?
    Aber: Trotzdem – wie immer – tolle Bilder ! Euch weiterhin eine gute Reise!

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